05.2010 Schwimmen , Keegan, Nicola
Philomena Ash ist ein sogenanntes „Schreikind“: mehr als 90 Minuten am Stück schläft sie nicht . Ihre übermüdeten, gestressten Eltern bringen ihr Kind zum Babyschwimmen und kaum ist Phil im Wasser, schwimmt sie, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. Wieder auf dem Trockenen, schläft sie ununterbrochen 14 Stunden. Diese Verbindung mit dem Wasser und dem Schwimmen ist in diesem Moment nicht nur Rettung für die gestressten Eltern , sondern in der Zukunft auch Rettung für die Tochter aus unglücklichen, fast schon bizarren Familienverhältnissen: Bron, die älteste Schwester, stirbt in jugendlichem Alter, der Vater überwindet den Verlust nicht und begeht Selbstmord. Die Mutter zieht sich dauerhaft in ihr Bett zurück und versucht, mit einem Stapel Krimis und großen Packungen M & M’s das Leben zu ignorieren. Roxanne, die zweite Schwester, wird drogenabhängig und Dot, die Jüngste, übernimmt die Helferrolle.
Schlimme Geschichte – wenn nicht das Schwimmen wäre. Phil ist ein großes Talent und durch hartes Training gelingt ihr der Sprung in die Olympiamannschaft der USA. Es regnet Goldmedaillen und Sponsorenverträge. Die Autorin Nicola Keegan beschreibt das harte Training, die Gedanken bei Rückschlägen und die Triumphgefühle nach Siegen so eindringlich und anschaulich, dass man Insiderwissen vermutet. Wir begleiten Phil auf ihrem Weg von der Schulmannschaft, die von einem Priester trainiert wird, bis zu ihren acht Goldmedaillengewinnen in Atlanta, Moskau und Seoul. Wir erfahren vom Erwachsenwerden in einer Gruppe, in der nur Leistung zählt und jegliche Abweichung von der Norm arge Selbstzweifel hervorruft.
„Schwimmen“ ist ein spannendes Buch und bei aller Tragik im Leben der Protagonistin nicht im mindesten traurig. Die Lektüre geht sicher über einen Familienroman hinaus und ist anregend, unterhaltsam und an manchen Stellen durchaus amüsant.
Nicola Keegan: Schwimmen; Rowohlt 2010, 19,95 €