01.2012 Der gute Liebhaber , Steinunn Sigurdadottir
...
Karl ist reich, schön und, wenn auch nicht mehr ganz jung, so doch ein Mann in den besten Jahren. Sein Vermögen hat er sich in den USA mit Finanzspekulationen erworben und besitzt neben einem Haus im besten Viertel New Yorks auch eine Villa in Südfrankreich. Ledig ist er und deshalb natürlich begehrenswert. So hat „Der gute Liebhaber“ immer wieder Liebschaften, die jedoch nie länger als drei Nächte dauern und seine Privatsphäre ist im heilig. Warum? Karl liebt seit Jugendtagen nur Una, die ihm vor siebzehn Jahren den Laufpass gab. An einem kalten Februartag kehrt Karl nun nach Reykjavík zurück, um noch einmal um Una zu werben. Er landet jedoch erst einmal in einer merkwürdigen Bar, in der er von einer Frau angesprochen wird, die ihn dann mit zu sich nach Hause nimmt. Zufällig wohnt sie direkt neben Una, die inzwischen verheiratet ist. Nachdem Karl eine seiner ehemaligen Liebhaberinnen, die Psychotherapeutin ist, mitten in der Nacht angerufen und um Rat gefragt hat, traut er sich endlich, Una seine Sehnsucht nach einem gemeinsamen Leben mit ihr zu gestehen. Tatsächlich verlässt Una ihren Mann und die beiden fliegen in die USA, wo sie in dem Haus wohnen, dass Karl schon nach dem Geschmack Unas gestaltet hat. Die beiden heiraten und Una wird schwanger. Und wenn sie nicht gestorben sind...
„Der gute Liebhaber“ von der isländischen Autorin Steinunn Sigurdardóttir ist alles andere als eine märchenhafte Liebesgeschichte. Natürlich gibt es Anspielungen (die Protagonisten sind schließlich Isländer) auf Feen und andere Fabelwesen. Im Kern ist das Buch jedoch die bitterböse und psychologisch genaue Analyse eines Muttersöhnchens: Karl wurde von seiner von ihm maßlos bewunderten Mutter alleine großgezogen, die starb, als er gerade 18 war und noch immer trauert er um sie. In Una fand er damals eine Frau, die ihm fast nahtlos diese Mutter ersetzte. Es scheint, als ob er nach der Trennung von ihr immer auf der Suche nach einer „perfekten“ Partnerin ist. Sehr genau zeigt Steinunn Sigurdardóttir, welche psychopathologischen Wurzeln Liebe haben kann. Die Autorin weiß, wovon sie spricht: sie hat einen Abschluß in Psychologie. Trotzdem ist „Der gute Liebhaber“ kein Sachbuch über die Liebe. Schon eher ein Sachbuch über die Unmöglichkeit, eine wirklich erfüllte Liebe zu leben - und damit wiederum ein Roman über eines der Hauptthemen in der Literatur.
Steinunn Sigurdardóttir: Der gute Liebhaber, Rowohlt Verlag 2011; 17,95 €
» Steinunn Sigurdadottir - Der gute Liebhaber
» Hjorth & Rosenfeldt - Der Mann, der kein Mörder war
» Olga Togarczuk - Der Gesang der Fledermäuse
» Judith Schalansky - Der Hals der Giraffe. Bildungsroman
» Audur Jónsdóttir - Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt
» Tricia Springstubb - Das Geheimnis der vermissten Dinge
» Carol O Connell - Ein Ort zum Sterben
» Judith W. Taschler - Sommer wie Winter
» Hernán Rivera Letelier - Die Filmerzählerin
» Nicole Balschun - Ada liebt
» Tana French - Sterbenskalt
» Herrndorf, Wolfgang - Tschick
» Monica Kristensen - Suche